Warum ist das LFT wichtig und nötig?

Trotz einer gestiegenen medialen Präsenz homosexueller Frauen seit den 1990er Jahren konnte sich noch keine offene lesbische Lebensweise etablieren. So gibt es nur wenige offene lesbische Spitzenpolitikerinnen, Sportlerinnen oder Schauspielerinnen.

Die lesbische Identität bezieht sich ganz wesentlich auf Frauen- und lesbenzentrierte Lebensweisen und Interessen. Lesbische Identität und lesbische Kultur umfassen heute ein breites Spektrum. Das Lesbenfrühlingstreffen (LFT) leistet einen wichtigen Beitrag, um einmal im Jahr lesbische Identität und Kultur in einem geschützten Raum zu (er)leben. Das LFT bietet den Frauen die Möglichkeit an verschiedensten Workshops, Ausstellungen, Plenen und anderen Veranstaltungen teilzunehmen, um so die Gemeinsamkeit zu stärken und sich zu vernetzen.

So wird beispielsweise in der Gruppe erarbeitet, welche politischen Zeichen gesetzt werden können, um auf Entwicklungen wie Diskriminierung in der Gesellschaft, ständige Kürzungen von Geldern für Projekte lesbisch lebender Frauen oder Barrierefreiheit auf gemeinsamen Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Gerade die Stärkung durch die Gruppe ist für uns lesbische Frauen wichtig, da immer noch (zu) viele im Alltag aus Angst verborgen und nicht sichtbar leben. Es muss noch sehr viel Arbeit geleistet werden, um national und international unser Recht auf ein offenes sichtbar lesbisches Leben ohne Diskriminierung in Familie, Schule und Beruf weiterhin einzufordern – grundlegende Bedürfnisse, die noch immer nicht selbstverständlich sind.

Das LFT hat den Anspruch, barrierefrei zu sein: die Räume sind von Rollstuhlfahrerinnen befahrbar, Gebärdensprachedolmetscherinnen übersetzen eine Auswahl an Veranstaltungen, das Programmheft gibt es als Hörausgabe und in Großdruck. Nichtmuttersprachlern des Deutschen werden, wenn möglich, freiwillige Übersetzerinnen vermittelt. Diskriminierende Handlungen oder Äußerungen (z.B. wie Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und Homophobie) werden nicht geduldet.

Diese gelebte Inklusion schließt auch finanzschwache Lesben ein, indem es Sozialkarten gibt. Außerdem werden Junglesben mit in die Programmgestaltung miteinbezogen, um eine bessere Vernetzung anzuregen und die politischen Themen und Forderungen in die nächste Generation zu tragen.

Noch ist es nicht möglich sich im Berufsleben selbstverständlich als lesbisch lebende Frau zu outen. Wir müssen in den Firmen Netzwerke und Plattformen für ein vernetztes Miteinander schaffen, um die Gemeinschaft zu stärken. Solange es zur existenziellen Entscheidung werden kann, sich im Elternhaus, bzw. dem gesamten sozialen Umfeld zu outen, haben wir unser Ziel – die Gleichstellung – noch nicht erreicht. Wir können uns noch nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen, vor allem vor dem Hintergrund immer schneller wachsender Homophobie in osteuropäischen Ländern ist politische Arbeit und Sichtbarkeit wichtiger denn je. Das LFT schafft mit seinen politischen Workshops und Plenen Bewusstsein und Mut, die Dinge gemeinsam anzugehen.

Eine Politisierung soll auch im Zuge der gelebten Demokratie erfolgen: Beschlüsse werden vom Plenum (also allen Besucherinnen) gefasst. Eine Demonstration soll gesetzte Forderungen medienwirksam nach außen tragen.